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Der "FLÜSTERBÄR" in image-Hifi



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image-HiFi (Nr. 52)

Blue Danube Records: Der Flüsterbär
Preis: 1400 Euro
von Werner Höglmaier, Fotos: Rolf Winter

In Zeiten, in denen überwiegend Mainstream-Titel in schwarze Rillen gepresst werden, ist man als überzeugter LP-Fan auf den Secondhand-Markt angewiesen. Dann benötigt man aber notgedrungen eine gute Plattenwaschmaschine. Doch diejenigen, die eine exzellente Reinigungswirkung aufweisen, haben eines gemeinsam: Sie sind schrecklich laut!


Besonders die Geräte, welche die aufgetragene Flüssigkeit auf ganzer Breite absaugen, müssen mit enormen Saugkräften arbeiten. Da sollten die internen Motoren besonders potent ausgelegt sein. Und da, wo rohe Kräfte walten, entsteht naturgemäß Lärm. Nun kann man sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass dies beim Platten waschen ziemlich egal ist. Aber die familieninternen Spannungen können schon mal ansteigen, wenn Papa am Sonntagmittag nach erfolgreichem Beutezug vom Flohmarkt heimkommt und seine Schnäppchen sofort von der Staublast der vergangenen Jahrzehnte befreien möchte und die entsprechende Apparatur im Wohnzimmer rumsteht. Dann ist der Krach gleich in zweierlei Sinn vorprogrammiert.

Was liegt also näher, als eine leise Waschmaschine zu konstruieren? Das muss sich Christian Bierbaumer, seines Zeichens einer der größten Vinylhändler in Europa, auch gedacht haben. So hat er seinen schon seit Jahren auf dem Markt befindlichen "Waschbären" zum "Flüsterbären" hingezüchtet.

Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. An allen Stellen wird nicht gekleckert, sondern geklotzt.

Die Einzelteile sind für die Ewigkeit gebaut - ansonsten würde wohl auch kaum der WDR die Blue-Danube-Produkte professionell einsetzen. So bestehen die Drehbasen für die Bürste, die Absaugvorrichtung und deren Widerlager aus massivem Aluminium. Auch der Deckel für das Flüssigkeitsreservoir und der schwere Plattenpuck bestehen aus diesem Metall. Der Schalter für den Motor, der sich in zwei Richtungen bewegen kann, ist wasserdicht ausgeführt und selbst von extremen Grobmotorikern wohl kaum zu zerstören. Auch der rote Knopf für die Flüssigkeitspumpe ist mechanisch erstklassig. Als letztes Bedienelement bleibt noch ein Drehregler, der die Intensität der Absaugung vorgibt. Auch hier überzeugen Haptik und die Solidität. Der Drehteller mit seiner aufgeklebten dicken Gummiauflage wirkt ebenfalls ausgesprochen vertrauenerweckend. Das Gehäuse besteht aus sehr dicken Kunststoffplatten. Gut, ein Designer hätte sicherlich noch etwas Ansprechenderes herausgeholt, aber der Flüsterbär soll ja in erster Linie Platten waschen. Auf alle Fälle setzt sich der ungemein solide äußere Eindruck auch im Inneren fort. Alle Bauteile lassen keinen Zweifel an ihrer Langlebigkeit aufkommen, und auch alle elektrischen Sicherheitsbestimmungen werden vorbehaltlos erfüllt.

Besonders praktisch sind die in weiten Bereichen verstellbaren Gerätefüße. So kommen auch relativ unebene Stellplätze in Betracht. Dennoch sollte man hier - wie bei jeder Plattenwaschmaschine - darauf achten, dass der Untergrund auch mal einen Spritzer Wasser abkann, da sich in der Hitze des Gefechtes schon mal das ein oder andere Tröpfchen in die Umgebung verirrt, obwohl gerade beim Flüsterbär die Wahrscheinlichkeit dazu nicht besonders hoch ist. Zu professionell sind alle Bedienschritte ausgefeilt und zeugen von einer langjährigen praktischen Erfahrung mit dem schwarzen Gold. Die Flüssigkeit kann mit der Pumpe wohl dosiert aufgebracht werden. Die individuell drehbar gelagerte Doppelbürste verteilt die Flüssigkeit dann extrem gleichmäßig auf der Platte, und die Absaugung mit Maximaldrehzahl zieht die Chemikalie binnen kürzester Zeit wieder vom Vinyl ab.

Der Lärm, den das Gerät dabei abgibt, ist zumindest um ein Beträchtliches niedriger als bei der Konkurrenz, wenngleich sich der Bereich des Flüsterns doch noch ein wenig darunter befindet. Allerdings kann man sich während des Absaugens noch bequem mit jemandem unterhalten, was beispielsweise bei meiner VPI 17 nicht mehr klappt. Die Reinigungswirkung ist ohne jeden Zweifel erstklassig. Mit einem Stapel LPs von einem guten Bekannten habe ich die Qualität der Erstreinigung untersucht. Die Platten waren schon nach dem ersten Waschdurchgang absolut blitzblank. Staub und Fett lösten sich vollkommen rückstandsfrei von der Oberfläche. Einen gewissen Beitrag zu dieser Glanzleistung lieferte sicherlich die beigefügte - vergleichsweise spottbillige - Reinigungsflüssigkeit, über die sich Christian Bierbaumer natürlich nicht ausfragen ließ. Die Nagelprobe mit zwei nachweislich nass abgespielten Scheiben bestand die Maschine ebenfalls mit Bravour. Schon nach dem zweiten Durchgang waren die LPs wieder völlig knisterfrei. Da benötigt mancher Konkurrent bis zu fünf Runden. Der Flüsterbär ist somit ein Meisterstück. Für die nächste Evolutionsstufe könnte man sich eigentlich nur noch wünschen, dass er dann die Kratzer auf den Scheiben gleich mitrepariert, was er, wie die höchst amüsant geschriebene Bedienungsanleitung offen zugibt, heute noch nicht kann.

Der Flüsterbär hat alles, was eine exzellente Plattenwaschmaschine braucht:

Alltagstauglichkeit, exzellente Reinigungswirkung, eine überaus solide Konstruktion, eine einfache und bequeme Bedienbarkeit. Und er ist deutlich leiser als die Konkurrenz. Der preis ist somit überaus fair.

PS: Als besonderes Highlight darf die geheimnisvolle, aber hocheffiziente Reinigungsflüssigkeit gelten, die mit 14 Euro pro Liter - wie man leider anmerken muss: branchenunüblich - recht kundenfreundlich kalkuliert wurde.

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